ESG und Compliance sind zwei Seiten derselben Medaille: Während ESG‑Vorgaben Governance‑, Risiko‑ und Kontrollstrukturen immer stärker einbeziehen, liefern moderne Compliance‑Systeme die rechtliche und organisatorische Basis dafür – und integrierte ESG‑Compliance‑Software führt beide Welten in einem Ansatz zusammen.

ESG und Compliance lassen sich im Mittelstand fachlich kaum noch trennen: Nachhaltigkeitsberichte nach CSRD und ESRS greifen tief in Governance‑, Risiko‑ und Compliance‑Strukturen ein, während klassische Compliance‑Pflichten wie Hinweisgeberschutz, Lieferketten‑, Umwelt‑ oder Arbeitsrecht längst zentrale Bausteine der ESG‑Bewertung geworden sind. Wer hier mit getrennten Tools, Excel‑Listen und parallel laufenden Projekten arbeitet, produziert Doppelaufwand, Medienbrüche und gefährliche Lücken – und erhöht am Ende sowohl die Kosten als auch die Haftungsrisiken, statt sie zu senken.
ESG und Compliance: zwei Seiten derselben Medaille
Wenn von ESG gesprochen wird, denken viele zuerst an CO₂‑Bilanz, Energieverbrauch und Klimastrategien. Schon der Blick in die ESRS‑Struktur zeigt jedoch, dass Governance, interne Kontrollsysteme, Hinweisgeberschutz, Lieferketten‑Compliance, Risikomanagement und der Umgang mit Rechtsverstößen genauso wichtig sind wie Emissionskennzahlen. Governance‑Standards wie ESRS G1 verlangen beispielsweise Transparenz zu Rollen, Verantwortlichkeiten, Überwachungsmechanismen, Vergütungssystemen und zur Verankerung von Compliance in der Unternehmensführung. Genau diese Themen sind zugleich Kernbestandteile eines modernen Compliance‑Managementsystems, etwa nach ISO 37301 oder IDW‑Standards.
Umgekehrt können Compliance‑Systeme heute nicht mehr losgelöst von Nachhaltigkeit gedacht werden. Ein Rechtskataster, das CSRD‑, ESRS‑, LkSG‑ oder Umwelt‑ und Energiepflichten nicht abbildet, bleibt lückenhaft. Risikoanalysen, die Klimarisiken, Lieferketten‑ oder Reputationsrisiken aus ESG‑Themen ausblenden, greifen zu kurz, und ein Hinweisgebersystem, das nur klassische Korruptions‑ oder Wettbewerbsverstöße betrachtet, übersieht mögliche Meldungen zu Menschenrechten oder Umweltverstößen in der Lieferkette. In der Praxis bedeutet das: ESG‑Daten ohne Compliance‑Kontext bleiben oberflächlich und schwer belastbar, während ein Compliance‑System ohne ESG‑Perspektive an Relevanz für Banken, Investoren und Kunden verliert, die zunehmend auf nachhaltige Unternehmensführung achten.Genau an dieser Schnittstelle setzt ESG‑Compliance‑Software an.
Sie stellt nicht nur Kennzahlen und Reports bereit, sondern verbindet die Welt der Nachhaltigkeitsdaten mit der Welt der Pflichten, Risiken, Richtlinien, Kontrollen und Vorfälle.
Für mittelständische Unternehmen, die nicht für jedes Thema ein eigenes Team und Tool betreiben können, ist dieser integrierte Ansatz entscheidend, um den Aufwand begrenzt zu halten und gleichzeitig die hohen Anforderungen aus Regulierung und Markt zu erfüllen.
Warum getrennte Tools zum Problem werden
In vielen mittelständischen Unternehmen haben sich historisch Insellösungen entwickelt. Für ESG‑Themen gibt es vielleicht ein Klimabilanz‑Tool oder eine CO₂‑Rechner‑Excel, bei Lieferkettenfragen ein eigenes System oder Fragebogenportal, für Hinweisgeberschutz eine separate Whistleblower‑Software, für Datenschutz wiederum andere Lösungen. Hinzu kommen Excel‑Listen für Umweltkennzahlen, Word‑Dokumente für Richtlinien und lokale SharePoint‑Sammlungen für Nachweise. Diese gewachsenen Strukturen wirken auf den ersten Blick pragmatisch, weil sie kurzfristig Probleme lösen. Spätestens dann, wenn ein konsistenter CSRD‑Bericht erstellt, ein Bankenrating vorbereitet oder eine Due Diligence beantwortet werden muss, zeigt sich jedoch die Schattenseite: Daten liegen verteilt in unterschiedlichen Systemen, werden mit verschiedenen Methoden erhoben und sind nur bedingt miteinander vergleichbar.
Für die Geschäftsführung entsteht damit ein doppeltes Risiko. Zum einen steigt der operative Aufwand drastisch, weil ESG‑Verantwortliche, Compliance‑Beauftragte, Controlling, HR, Umwelt‑ und Arbeitsschutzbeauftragte mühsam Informationen zusammenziehen, in Excel konsolidieren und manuell auf Plausibilität prüfen müssen. Zum anderen erhöht sich das Fehlerrisiko. Abweichende Versionen, unterschiedliche Definitionen der gleichen Kennzahl, fehlende oder nicht mehr auffindbare Nachweise, unvollständige Dokumentation von Entscheidungswegen und Maßnahmen können in einem Audit oder bei kritischen Nachfragen zu unangenehmen Situationen führen – bis hin zu Zweifeln an der Verlässlichkeit der gesamten Governance‑Struktur.
Hinzu kommt, dass getrennte Tools häufig getrennte Rollen‑ und Rechtesysteme, Datensicherheitskonzepte und Vertragsbeziehungen mit verschiedenen Anbietern mit sich bringen. Das führt zu Mehraufwand in IT, Datenschutz und Informationssicherheit und erhöht die Angriffsfläche für Fehler und Sicherheitsvorfälle. Aus Sicht der Regulierer und Kapitalgeber geht der Trend hingegen eindeutig zur integrierten Sicht: ESG‑Berichte sollen konsistent mit Finanzberichten, Risikoberichten und Governance‑Informationen sein. Wer Informationswelten künstlich trennt, widerspricht diesem Integrationsgedanken und schafft sich selbst unnötige Hürden.
Was eine ESG-Compliance-Software leisten sollte
Eine ESG‑Compliance‑Software ist mehr als eine ESG‑Reporting‑Lösung mit ein paar zusätzlichen Feldern. Sie verbindet klassisches Governance‑, Risiko‑ und Compliance‑Management mit den Anforderungen moderner ESG‑Regulierung in einer gemeinsamen Architektur. Im Zentrum steht ein Modell, das Pflichten, Risiken, Kontrollen, Kennzahlen, Maßnahmen, Vorfälle und Berichte so miteinander verknüpft, dass sie sowohl für Compliance‑Audits als auch für ESG‑Reports nutzbar sind.
Dazu gehört zunächst ein zentrales Rechtskataster, in dem alle relevanten gesetzlichen und regulatorischen Pflichten erfasst werden – von klassischen Bereichen wie Arbeits‑, Umwelt‑, Datenschutz‑ oder Produktsicherheitsrecht bis hin zu spezifischen ESG‑Vorgaben wie CSRD, ESRS, LkSG oder sektoralen Nachhaltigkeitsstandards. Diese Pflichten sind nicht nur als abstrakte Normsammlung hinterlegt, sondern in konkrete Anforderungen und Maßnahmen „übersetzt“ und den jeweiligen Prozessen, Standorten und Verantwortlichen zugeordnet. Auf dieser Basis kann das System zeigen, welche ESG‑Kennzahl auf welcher rechtlichen oder regulatorischen Anforderung beruht und wo entsprechende Prozesse verankert sind.
Ein zweiter Baustein ist ein integriertes Risiko‑ und Maßnahmenmanagement, das ESG‑Risiken – etwa Klimarisiken, Reputationsrisiken, Menschenrechtsrisiken in der Lieferkette oder Governance‑Schwächen – mit klassischen Compliance‑Risiken verbindet. Risiken werden identifiziert, bewertet und mit Maßnahmen, Kontrollen und Verantwortlichen verknüpft. So wird sichtbar, welche Aktivitäten gleichzeitig mehreren Zielen dienen, beispielsweise einer besseren CO₂‑Bilanz, der Einhaltung behördlicher Auflagen und der Reduktion von Haftungsrisiken für die Geschäftsführung.
Drittens bildet eine ESG‑Compliance‑Software den vollständigen ESG‑Datenhaushalt ab, also Kennzahlen und qualitative Informationen zu Umwelt, Sozialem und Governance, inklusive der Logik von ESRS und VSME‑Standards für KMU. Daten aus verschiedenen Quellen – etwa Energiemanagement, HR‑System, Lieferantenportale oder Compliance‑Module – fließen in einem Datenmodell zusammen. Das System stellt sicher, dass Definitionen einheitlich sind, Berechnungslogiken dokumentiert sind und Änderungen nachverfolgbar bleiben, was für die Prüf‑ und Nachvollziehbarkeit entscheidend ist.
Viertens gehören Module für Hinweisgeberschutz, Fall‑ und Incident‑Management, Richtlinienverwaltung, Schulungsmanagement und Audit‑Workflows dazu, die nicht nur klassische Compliance‑Fälle, sondern auch ESG‑bezogene Vorfälle abdecken. Meldungen zu Umweltverstößen, Diskriminierung, Lieferkettenproblemen oder Datenpannen werden im gleichen System erfasst, bearbeitet und dokumentiert wie andere Compliance‑Hinweise. Dadurch entsteht ein ganzheitliches Bild darüber, wo im Unternehmen tatsächlich Probleme auftreten und wie wirksam die installierten Steuerungs‑ und Kontrollmechanismen sind.
Wie ESG-Compliance-Software Aufwand und Haftungsrisiken reduziert
Die größte kulturelle Veränderung beim Einsatz integrierter ESG‑Compliance‑Software besteht darin, dass ESG‑Daten nicht mehr als separate Berichtsanforderung behandelt werden, sondern als Ausdruck der gelebten Governance‑Strukturen. Wenn Pflichten, Risiken, Kontrollen und Kennzahlen miteinander verknüpft sind, wird deutlich, dass jede Kennzahl eine Geschichte erzählt: zu rechtlichen Anforderungen, zu Verantwortlichkeiten, zum Reifegrad von Prozessen und zu den Maßnahmen, die ergriffen wurden, wenn etwas nicht funktioniert hat.
Aus Haftungssicht ist das ein entscheidender Vorteil. Geschäftsführung und Aufsichtsorgane müssen nachweisen können, dass sie Organisation, Risikoüberwachung und Compliance „angemessen“ gestaltet haben.
Ein integriertes System, in dem Pflichten, Risikoanalysen, Maßnahmen, Kontrollen, Schulungen, Hinweise, Vorfälle und Berichte nachvollziehbar dokumentiert sind, liefert genau diese Nachweise. Statt im Ernstfall mühsam E‑Mails, Excel‑Dateien und verstreute Protokolle zusammenzusuchen, steht eine durchgängige Dokumentation zur Verfügung, die zeigt, wann welche Risiken identifiziert, wie sie bewertet, welche Maßnahmen beschlossen und wie sie umgesetzt wurden.
Gleichzeitig sinkt der operative Aufwand, weil viele Schritte automatisiert werden können. Datenerfassungen folgen klaren Workflows, Verantwortliche bekommen Aufgaben und Fristen zugewiesen, Erinnerungen unterstützen bei der Einhaltung von Reporting‑Timelines, und Dashboards zeigen auf einen Blick, wo noch Aktivitäten nötig sind. Excel‑Runden mit angeschlossenen „Datensammel‑Marathons“ vor jedem Reportingtermin werden dadurch deutlich reduziert. Dies ist gerade für KMU wichtig, die ESG‑Compliance in der Regel mit kleinen Teams oder in Teilzeitfunktionen stemmen müssen.
MetriBo: ESG und Compliance aus einem Guss
MetriBo verfolgt genau diesen integrierten Ansatz und richtet sich bewusst an mittelständische Unternehmen, die ESG‑ und Compliance‑Themen nicht länger in getrennten Werkzeugen und Silos managen wollen. Das Governance‑Modul bildet ein Echtzeit‑Rechtskataster, in dem gesetzliche und regulatorische Pflichten, inklusive ESG‑relevanter Normen, abgebildet und mit Richtlinien, Risiken und Stakeholdern verknüpft werden. Das Audit‑ & Reporting‑Modul bündelt anschließend ESG‑ und Compliance‑Daten und macht sie für Berichte nach ESRS, VSME und CSRD sowie für interne Auswertungen nutzbar.
Datenströme aus Umweltcontrolling, Arbeitssicherheit, HR, Lieferketten‑ und Compliance‑Modulen fließen in MetriBo in eine gemeinsame Struktur ein. Verantwortliche sehen dort, welche Kennzahlen vollständig sind, wo noch Nachweise fehlen und welche Maßnahmen im Kontext bestimmter Risiken laufen. Hinweisgeber‑ und Fallmanagement sind ebenso integriert: Meldungen werden strukturiert erfasst, nach Themen klassifiziert, Verantwortlichen zugewiesen, mit Fristen hinterlegt und bis zum Abschluss dokumentiert. Damit lassen sich nicht nur HinSchG‑Vorgaben erfüllen, sondern auch Trends in ESG‑relevanten Vorfällen erkennen und in die Verbesserung von Prozessen und Strategien zurückspiegeln.
Für mittelständische Unternehmen ist besonders attraktiv, dass MetriBo bewusst als Plattform konzipiert ist, die Schritt für Schritt ausgebaut werden kann. Unternehmen können mit einem Kern aus Rechtskataster, ESG‑Datenerfassung und Reporting starten und später Hinweisgeber‑, Lieferketten‑, Risiko‑ oder Audit‑Module ergänzen, wenn die Anforderungen wachsen. Dadurch bleibt der Einstieg überschaubar, ohne sich strategisch in Sackgassen zu manövrieren, die bei steigender Regulierung schnell zu klein werden.
Am Ende führt ESG‑Compliance‑Software den Mittelstand weg vom reaktiven „Datenzusammenschieben“ in Excel hin zu einer proaktiven Steuerung von Nachhaltigkeit und Regulierung in einem System.
Unternehmen, die diesen Schritt gehen, reduzieren manuellen Aufwand, verbessern Datenqualität und Nachweisfähigkeit und verschaffen sich zugleich einen handfesten Wettbewerbsvorteil – weil sie ihren Stakeholdern überzeugend zeigen können, dass sie ESG und Compliance nicht als Pflichtübung, sondern als gelebten Teil moderner Unternehmensführung verstanden haben.
